Diversity im unternehmerischen Wertemanagement

Ethik und Werte spielen im Wirtschaftssystem des 21. Jahrhundert eine besondere Rolle. Die Elemente sind ursächlich für dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg und eine starke Arbeitgebermarke. Diversity ist ein wesentlicher Aspekt im unternehmerischen Wertemanagement.




Die Wirtschaft befindet sich in einem massiven Wandel. Feste Paradigma der Vergangenheit verlieren mehr und mehr an Gültigkeit und weichen neuen Verständnissen und Verhaltensweisen. Das ist beispielsweise an der Entwicklung vom Shareholder Value zum Stakeholder Value zu beobachten. Das Shareholder Value geht auf Milton Friedmans Doktrin „The business of business is business“ von 1970 zurück und meint nichts anderes, als dass Unternehmen nur den Zweck haben, so viel Rendite wie möglich für ihre Anteilseigner zu generieren. Soziale Verantwortung muss nur im Rahmen gesetzlicher Verpflichtungen wahrgenommen werden. Hingegen basiert das Stakeholder Value auf dem Grundsatz, über die unternehmerischen Gewinne hinaus Mitarbeitende, lokalen Gemeinschaften, Regierungen etc. zu fördern. So kann Stakeholder Value beispielsweise darin bestehen, lokale Initiativen zu finanzieren, den Ressourcenverbrauch zu minimieren oder die Sozialleistungen für die Mitarbeitenden zu verbessern, auch wenn dies unter Wettbewerbsgesichtspunkten nicht erforderlich ist.


Verhalten ist ethisch, wenn es anderen Menschen objektiv nicht schadet


Auf diese Weise haben sich die Schlagworte der Wirtschafts- und Unternehmensethik beziehungsweise des unternehmerischen Wertemanagements immer deutlicher herauskristallisiert. Wirtschaftsethik untersucht die Zusammenhänge von Ethik und Wirtschaft, also vereinfacht moralisches Verhalten in der Wirtschaft und vor allem die Bedeutung von moralischem Verhalten für die Wirtschaft. Verhalten ist dann ethisch, wenn es anderen Menschen objektiv nicht schadet. Gegenstand der Wirtschaftsethik ist damit die Reflexion ethischer Prinzipien im Rahmen wirtschaftlichen Handelns und ihre Anwendung auf diesen Bereich. Als zentrale Werte gelten dabei Humanität, Solidarität und Verantwortung. Im Gegensatz zur allgemeinen Ethik bezieht sich die Wirtschaftsethik auf die Arbeitswelt, einen einzelnen, konkreten Lebensbereich.


Werte in einem Unternehmen gezielt und aktiv gestalten und steuern


Wertemanagement ist in dem Zusammenhang die Übersetzung von Wirtschaftsethik in die Praxis. Dabei geht es darum, wie mit Werten im Sinne der konkreten Ausgestaltungen von Verhaltensweisen in allen Bereichen des unternehmerischen Alltags umgegangen wird. Damit hat das unternehmerische Wertemanagement das Ziel, die Werte in einem Unternehmen gezielt und aktiv zu gestalten und zu steuern. Es definiert und kodifiziert Werte, um sie für die praktische Anwendung nutzbar zu machen. Dass dies maßgeblich für die Entwicklung einer unverwechselbaren, weil wertebasierten Unternehmenskultur ist, versteht sich von selbst.


Wie gehört Diversity nun ins unternehmerische Wertemanagement? Nun, zunächst ist Vielfalt ein unternehmerischer Wert im ökonomischen Sinne. Eine hinreichende Anzahl an Studien belegt, dass Vielfalt messbar den betriebswirtschaftlichen Erfolg fördert. Unternehmen mit hoher Gender-Diversität haben eine um 25 Prozent und damit signifikant größere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein, meldet beispielsweise die Unternehmensberatung McKinsey. Betrachtet man den Faktor der ethnischen Diversität (Internationalität des Vorstands), liegt dieser Wert sogar bei 36 Prozent. Das sind zentrale Ergebnisse der Studie „Diversity Wins – How Inclusion Matters“, für die McKinsey Daten von mehr als 1.000 Unternehmen in 15 Ländern analysiert hat.


Diversity: Alle Mitarbeitenden sollen Wertschätzung erfahren


Zudem wirkt sich eine transparente und authentische Diversity-Strategie auf ethisch-kultureller Ebene auf das Unternehmen aus. Alle Mitarbeitenden sollen Wertschätzung erfahren – unabhängig von Alter, ethnischer Herkunft und Nationalität, Geschlecht und geschlechtlicher Identität, körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Religion und Weltanschauung, sexueller Orientierung und sozialer Herkunft. Der größte Nutzen von Diversity Management aus Sicht einer Studie sind Offenheit und Lernfähigkeit der Organisation, wodurch ihre Zukunftsfähigkeit sichergestellt wird. Und im Employer Branding mit Fokus auf die jüngeren Generationen ist Diversity ohnehin unverzichtbarer Bestandteil. Angehörige der Genration Y und Generation Z suchen gezielt nach fairen und diversen Arbeitgebern! Eine Studie zeigt, dass 76 Prozent der Arbeitssuchenden Vielfalt als einen wichtigen Faktor bei der Bewertung eines Arbeitgebers nennen.


Unternehmen müssen als menschliche Organisationen konzipiert werden


Diversity ist dabei eng mit dem Purpose-Gedanken verknüpft. Betriebswirtschaftliche Parameter wie Umsatz oder Gewinn sind als Unternehmenszwecke durch den Wandel vom Shareholder Value zum Stakeholder Value zweitrangig geworden. Der übergeordnete Zweck eines Unternehmens besteht darin, einen positiven Beitrag zur Arbeit zu leisten und allen Beteiligten auf harmonische Weise zu dienen. Die Erzielung von Gewinn ist ein Gebot und ein Ergebnis, aber nicht das Endziel. Unternehmen müssen als menschliche Organisationen konzipiert werden, die von einem edlen Zweck geleitet werden und den Menschen in den Mittelpunkt stellen.


Purpose ist als übergeordnetes Managementprinzip zu verstehen, um Arbeit, Sinn und Zweck zusammenzubringen: Es ist die Stakeholder-Orientierung schlechthin, diese drei Elemente zu verbinden, um über alle Stakeholder-Ebenen hinweg das Purpose des Unternehmens zu verankern und den nachhaltigen Wert über betriebswirtschaftliche Kennziffern hinaus zu kommunizieren und zu positionieren. Lebens- und Arbeitszeit soll einem höheren Zweck dienen, der nicht intrinsisch-hedonistisch motiviert ist.


Diversity-Management unterstreicht Bemühungen im unternehmerischen Wertemanagement


Diversity ist durch die Bandbreite an Themen das herausragende integrative Integrations- und Inklusionsmoment für Unternehmen und damit gewichtiges Element jeder Wert- und Ethik-basierten Purpose-Strategie. Diversity handelt, kurz gesagt, davon, alle Menschen ohne Scheuklappen und Vorurteile anzuerkennen und anzunehmen, ihre Herkunft, Identitäten und Bekenntnisse zu respektieren und ihnen wertschätzend zu begegnen. Wenn Ethik das Verhalten definiert, dass anderen Menschen objektiv nicht schadet, ist die ethische Qualität von Diversity klar: Respekt vor allen und Wertschätzung aller Menschen sind das Fundament von Ethik!


Ein professionelles Diversity-Management unterstreicht damit die Bemühungen im unternehmerischen Wertemanagement. Man kann sogar so weit gehen und formulieren, dass unternehmerisches Wertemanagement ohne Diversity nicht umfassend möglich ist. Wie könnte eine Unternehmensethik entwickelt werden, wenn nicht klar wäre, dass Respekt und Toleranz vor vielfältigen Herkünften, Identitäten und Lebensentwürfen einen Wert an sich darstellen? Das bedeutet: Unternehmen, die ein stabiles Wertegerüst etablieren wollen, brauchen, neben zahlreichen anderen Faktoren, eine stabile und durchdachte Diversity-Agenda.


Dr. Patrick Peters ist Professor für PR, Kommunikation und digitale Medien an der Allensbach Hochschule in Konstanz und Dozent für Wirtschafts- und Unternehmensethik und befasst sich als Unternehmensberater (Klare Botschaften), Publizist und Wissenschaftler ausgiebig mit Ethik, Diversity und Kommunikation. Veröffentlichen Sie als erstes Ihre Website, melden Sie sich dann direkt auf der veröffentlichten Website (Desktop oder Mobilgerät) an. Verwenden Sie Ihr Konto von Wix, um sich als Administrator des Blogs anzugemelden.